Alpencross, 2. Etappe: Landeck – Nauders, Abbruch in Prutz (23.08.2005)
In der Nacht konnte man hören, wie es draußen noch immer gießt. Toll. Am Morgen werden wir von der Sirene im Ort geweckt. Ständig fährt die Feuerwehr. Der Blick auf den gestern noch so harmlosen Inn zeigt auch, warum das so ist: Hochwasser.
[protected]Mächtige Baumstämme werden vom Inn mitgetragen, in einem wahnsinnigen Tempo. Im Hotel pumpt die Feuerwehr schon die Tiefgarage aus.
Als wir losfahren tröpfelt es nur noch leicht. Sonja fährt heute nicht mit. Sie hatte gestern Abend erhöhte Temperatur, deswegen will sie ihrem Körper heute nicht die 900 hm zumuten.
In Landeck geht es von der Straße weg links gleich 30 hm steil den Berg hinauf, darauf waren wir nicht vorbereitet. Fies! Der Weg geht auf und ab am Inn entlang, es dauert nicht lange, und wir ziehen unsere Regenhosen wieder aus. Wir radeln etwa eine Stunde vor uns hin, und der Regen wird wieder stärker. Zwei Radler kommen uns entgegen und winken uns zu, wir deuten das als fröhliches Zuwinken. Wir halten an, weil einige von uns die Regenhosen wieder anziehen wollen, Susi kommt von hinten und berichtet, dass die beiden Radler sie angehalten haben, und gesagt haben, dass Pfunds, durch das der ganze Verkehr in Richtung Reschenpass muss, völlig überflutet ist, und dort nichts geht. Wir fahren zum nächsten Ort, Prutz, und suchen das dortige Hotel zur Post auf, um dort einen Kaffee zu trinken, Sandra telefonieren und die Lage checken zu lassen und uns aufzuwärmen.
Der Hotelwirt macht uns keine Hoffnung: Richtung Nauders ist alles gesperrt, der Reschenpass ist viel zu gefährlich wegen Steinschlägen, die Norbertshöhe ist auch nicht besser. An Pfunds kämen wir wohl vorbei, aber dahinter kämen wir nicht weiter. Wir warten und warten und warten. Für alle Fälle hätte das Hotel zur Post noch Zimmer frei. Das ist ja auch schon etwas. Die Meldungen wechseln ständig: nach Nauders geht es heute vielleicht doch noch, dann wieder keinesfalls. Gegen ein Uhr überreden wir Sandra, dass sie doch noch einmal versuchen soll, einen Bus zu bekommen, der uns über den Brenner nach Nauders fährt. Das klappt auch, gegen zwei soll er hier sein. Wir warten und warten und nutzen die Zeit, eine anständige Portion Spaghetti Bolognese bzw. Lasagne zu verdrücken. Gegen halb drei trifft ein Bully ein, ein zweiter mit Anhänger soll noch kommen. Er trifft zehn Minuten später ein. Die Beratung mit den Fahrern ergibt, dass die Inntalautobahn zum Brenner gesperrt ist, sehr viele Straßen sind von Muren betroffen oder weggespült. Auch alle anderen Nord-Südverbindungen bis hin zur Felbertauernroute sind gesperrt. Der Regen der letzten Tage hat ganze Arbeit geleistet. Also wird es heute doch nichts damit, nach Nauders zu kommen. Mist. Wir beziehen also doch die Zimmer im Hotel zur Post und erkunden in 20 Minuten den gewaltigen Ort. Naja, dann schauen wir mal, wie es morgen wird. Irgendwie müssen wir morgen nach Nauders oder an die Etsch kommen. Vielleicht über den Brenner, vielleicht auch über den Reschenpass, aber das ist kaum zu erwarten.
Auf dem Weg zum Abendessen sehen wir den Hotelwirt vor dem Fernseher: Bilder aus dem völlig überfluteten Inntal, genau dort, wo wir fahren wollten. Der Wirt kennt die Besitzer aller Häuser, kommentiert die Bilder und ist entsprechend erschüttert.
Das Abendessen ist nicht besonders: Tomate-Mozzarella, Salat vom Buffet, ein kalter „Filetspieß“ (Schwein, Rind, Würstchen) in Pfeffersauce für Tjark bzw. Hühnerbrust auf Reis für Kristin und ein Coupe Danmark. Nach zwei sauren Radlern schauen wir uns im Bett noch den Rest des UI-Cup-Finales an und warten auf den nächsten Tag.
Matze: Anklam
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