Alpencross, 3. Etappe: Prutz – Rabland (24.08.2005)

Beim Frühstück eröffnet uns Sandra, dass alle Straßen noch gesperrt seien, wir mit dem Fahrrad aber wohl durchkämen. Wir werden also versuchen, zu fahren. Der Wirt unseres Hotels wird sich mit dem Wirt des nächsten Hotels auf einem Wirtschaftsweg bei Pfunds treffen, um konspirativ das Gepäck zu übergeben. Sehr spannend!

[protected]Um 8.30 Uhr sitzen wir bei bedecktem, aber trockenem Wetter auf dem Rad. Immer den schon wieder etwas beruhigten Inn entlang sind wir bald kurz vor Pfunds an der Straßensperre. Eigentlich wollten wir einen Waldweg direkt am Inn fahren, da dort aber sehr viele Räumfahrzeuge im Einsatz sind, bittet die Gendarmerie uns, die Straße zu nehmen. Autos fahren heute ja nicht, dazu gibt es ein paar extra Höhenmeter.

Die Gendarmen sind trotz durchwachter Nacht sehr freundlich und hilfsbereit, bis Christa fragt, warum denn eigentlich gesperrt sei. „Nur so zum Spaß, wir wissen eigentlich auch nicht, warum wir hier rumstehen!“ Peinlich.

In Pfunds sehen wir die abgegangene Mure. Hier ist für Autos wirklich kein Durchkommen. Kristin fotografiert die Mure, wird dann aber von der Gendarmerie – wieder ausgemacht freundlich – gebeten, zügig weiter zu fahren, da immer noch etwas nachrutschen könne.

Hinter Pfunds die Sensation: Zum ersten Mal auf der Reise kommt die Sonne raus – und wird uns heute nicht mehr verlassen. Weiter geht es am Inn entlang bis nach Martina in der Schweiz. Auf den Bergen hat es bis ca. 1900 m hinunter geschneit, bei blauem Himmel und Sonnenschein ein herrlicher, alpiner Anblick.

In Martina gibt es einen Müsliriegel, und dann beginnt der viel beschworene 450 hm-Anstieg zur Norbertshöhe. Kristin und ich fahren am Ende des Feldes. Wie immer braucht Kristin die eine oder andere Pause, aber unterm Strich geht es sehr gut. Nach 1 1/4 Stunden ist es geschafft, wir erreichen die Passhöhe und kehren im Gasthof Norbertshöhe ein. Auf der Terrasse genießen wir eine Tafelspitzbrühe, die mit drei Tiroler Speckknödeln garniert ist. Auch die anderen Gerichte, das Studium der Speisekarte und die schöne Landschaft legen die Idee nahe, einmal für ein paar Tage wieder zu kommen.

Nach der Pause radeln wir den Berg hinab nach Nauders. Hier hätten wir eigentlich gestern übernachten sollen. Da wir heute aber noch nach Rabland müssen, geht es gleich weiter den Radweg zum Reschenpass hinauf. Speckknödelgestärkt schaffen wir es nach Reschen und genießen die Aussicht auf den Reschensee. Im örtlichen Fahrradladen wird Christas Gangschaltung gerichtet, ich kaufe wieder mal eine Wanderkarte. Um zum Fahrradladen zu kommen müssen wir ca. 15 hm steil bergauf, Kristin ist sauer.

Sandra erzählt, dass der Weg links um den Reschensee langweilig und flach sei, wir fahren also rechts herum immer bergauf und -ab. Immer wieder gibt es schöne Aussichten auf den See und die versunkene Kirche auf der anderen Seite. Irgendwann ist dann der höchste Punkt bei ca. 1650 m erreicht, und in rasanter Abfahrt geht es nach Glurns auf einen Cappuccino. Hier werden wir mit dem Bus abgeholt und nach Rabland gefahren, um den verlorenen Tag einzuholen. Wir wären sowieso nur bergab durch langweilige Apfelplantagen geradelt, die wir in den nächsten Tagen noch zur Genüge bekommen werden. Also haben wir keinen Berg verpasst und können später guten Gewissens auf einen „vollständigen“ Alpencross zurückblicken.

In Rabland kehren wir in einem herrlich kitschigen Hotel ein: Die Bettdecken sind zu Herzen gefaltet, auch sonst gibt es allerhand Zierrat. Das Abendessen im Garten – das schlechte Wetter ist lange Geschichte – ist einsame Spitze: Zuerst ein italienisches Vorspeisenbuffet, an dem man sich alleine satt essen könnte oder fast schon müsste. Es gibt wirklich alles, und das in toller Qualität. Danach eine gebundene Zwiebelsuppe, ein Zucchinistrudel, ein perfekt gebratenes Straußensteak sowie eine Bananencreme im Baumkuchenmantel mit einem säuerlichen Bauernjoghurt als Kontrast. Satt und zufrieden blicken wir auf eine herrliche Etappe mit unserem absoluten Leistungsrekord von über 1.100 hm zurück, und ich genehmige mir ein Schnapserl. Auf meine Bestellung eines „hiesigen Kräuterschnapses“ werde ich gefragt, ob es „etwas richtiges“ sein dürfe. Selbstverständlich. Der kredenzte „Flooch“ zieht mir die Schuhe aus…

Matze: Bärnd

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