Alpencross, 5. Etappe: Tramin – Trient (26.08.2005)
Gegen das restliche Ambiente des Hauses hebt sich das Frühstück positiv ab, auch wenn die letzten Eierbecher und -löffel wohl schon Ende der 80er geklaut wurden. Wir starten heute eine halbe Stunde später, da nur eine Kurzetappe ansteht.
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Nach 5 km Auffahrt auf einem Waalweg springt Kristins Kette ab und verhakt sich zwischen Kettenblatt und Tretlager. Alle Versuche, die Kette zu befreien, scheitern, so dass wir die Kette öffnen müssen. Sandra hat nur einen Kettenniet mit, jetzt darf nichts mehr passieren.
Kaum 5 km weiter streikt in Margreid (?) Thomas Fahrrad. Ein Defekt in der Nabe beendet für heute seine Tour, er fährt mit Susi mit dem Taxi weiter nach Trient. Christoph versucht noch, einen Italiener mit VW-Bus anzusprechen und zum Transport zu bewegen. Dafür, dass er gestern noch geprahlt hat, er könne ganz gut Italienisch, ist sein „Fahrrad kaputt. KAPUHUTT, das FAHRRAD, verstehst Du?“ schon ziemlich beachtlich.
Ich erfreue mich an der „Via Andreas Hofer“, da ich tatsächlich der Meinung war, dies sei in Südtirol heute noch undenkbar bzw. verboten. Auf die Straßen in Margreid (?) hat jemand immer wieder „Heil 1986“ und das Südtiroler Wappen gesprüht. Zu Hause muss ich erst einmal Heimatkunde betreiben und herausfinden, was 1986 wohl passiert ist.
Es geht jetzt bei Gegenwind immer dumpf die Etsch entlang – langweilig, aber wir machen gut Tempo. Die Landschaft rechts und links ist mit ihren steilen Felsmassiven sehr hübsch, aber da es heute sehr dunstig ist, gibt es nicht viel zu sehen oder zu fotografieren. Um die heutige Pannenserie abzurunden, wird Sandra noch von einer Biene in die Lippe gestochen, und dann sind wir nach einem gewaltigen Endspurt mit einem 25er Schnitt bei Gegenwind trotz aller außerplanmäßigen Aufenthalte um 13 Uhr schon in Trient angekommen.
Im Hotel gibt es noch ein bisschen Theater wegen der Fahrräder, sie könnten den guten Fußboden (Stein) oder die wertvollen Wände (Pappe) beschädigen. Überhaupt tut das Grand Hotel Trento deutlich vornehmer, als es ist. Gut ist es aber trotzdem.
Wir nutzen den halben Ruhetag und waschen erst einmal die doch schon recht charakteristisch duftenden Radklamotten, bevor wir zu einer Bruschetta und einem Cappuccino aufbrechen. Trient erweist sich als sehr hübsche und jugendliche italienische Stadt, die wir bei Sonnenschein und herrlicher Wärme auf der Suche nach einem Ersatzniet erkunden.
Im dritten Fahrradgeschäft werden wir endlich fündig, dazu gibt es für mich noch ein erheblich reduziertes, sehr hübsches Fahrradtrikot. Außerdem komplettiere ich noch unsere Wanderkartensammlung, und wir besuchen den Bahnhof von Trient zwecks Foto. Leider haben wir Thomas’ Standpumpe nicht dabei, um eine perfekte Sprengung zu simulieren.
Das Abendessen wird uns in edlem Ambiente auf dem Dach des Grandhotels von einem unglaublich vornehmen Kellner serviert. Zuerst gibt es Basilikumgnocchi mit Salbeibutter, danach ein Hirschragout mit Möhren und Polenta. Obwohl das Ragout – ebenso wie die Gnocchi – sehr gut ist, sehe ich Kristin an, dass etwas nicht stimmt. Ihr behagt die im Abendlicht grün-schwarz-wirkende Sauce nicht, so dass sie kaum etwas isst. Das wird sich morgen rächen!
Zum Schluss gibt es noch einen Schokokuchen, der so italienisch-süß ist, dass er für meinen Gaumen nur schwer zu genießen ist. Der Kellner kommt mit der Grappaflasche, keiner möchte einen. Als sich dann aber herausstellt, dass der Grappa umsonst ist, trinken auf einmal alle – und wir finden das wieder so peinlich, dass wir heute als einzige das Schnapserl auslassen. In Anbetracht der morgigen Etappe gut so! Wir vertreten uns noch zehn Minuten die Beine, da wir keine Birreria finden, geht es aber schnell zurück ins Hotel.
Matze: Anklam
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