Alpencross, 4. Etappe: Rabland – Tramin (25.08.2005)
Das Frühstück schließt dort an, wo das Abendessen aufgehört hatte: riesige Auswahl, super Qualität. Ich studiere noch den Hotelprospekt und beschließe beim Anblick der sehr moderaten Preise, wieder zu kommen, zumal mir auch die Landschaft im Vinschgau sehr gut gefällt.
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Hier haben sich tatsächlich die besten Ausprägungen alpenländischer und mediterraner Lebensart vereint. Nur eins sind die Menschen wirklich nicht: Italiener.
Um 8.30 Uhr sitzen wir wieder auf dem Rad, und es geht über eine steile Schotterabfahrt herab nach Meran. In Meran machen wir eine halbe Stunde Stadtbummel und genießen noch einen latte macchiato, dann geht es auf Waalwegen bergauf und bergab weiter. Nach der Etappe vom Vortag ist es doch recht anstrengend, und wir freuen uns in Sankt Pauls auf unsere Jause. Leider kommt mein (ausgezeichnetes) Speckbrot erst mit erheblicher Verzögerung, so dass die Gruppe dieses Mal auch beim Essen auf uns warten muss, aber die unfreundlichen Bedienmausis geben ein willkommenes Feindbild für alle ab.
Auch nach der Pause geht es weiter auf und ab, an der Etsch durch endlose Apfelplantagen, am Berg durch Wein, und bald sehen wir auf den Kalterer See hinunter und sind kurz darauf in Tramin angekommen. Hier hat Alpstours eine Weinprobe mit Kellerbesichtigung organisiert. Der Winzer ist sehr sympathisch, und wir lernen viel über Südtiroler Weine: Blauburgunder liebt die Wärme, Chardonnay und Gewürztraminer klares Licht. Daher wächst der Blauburgunder in der Abendsonne am Osthang, der Weißwein in der Morgensonne am Westhang. Außerdem lernen wir, dass die Südtiroler Weißweine wenig Säure und keinerlei Restsüße haben, ein „normaler“ Kabinettwein bringt es auf 14 % bei 2 g Restsüße. Um ausschließlich restsüßefreie Weine zu erhalten, werden kaum Spät- und Auslesen erzeugt.
Als guter Alpenländer lügt der Winzer uns noch ein paar Geschichten vom Bären vor, bevor er verkündet, seine Volksgruppe fühle sich noch heute „vom Hitler verraten“, der sie an Mussolini verschachert habe. Schlussendlich werden wir aufgeklärt, dass auch dem Trentiner ein deutsches Herz schlage und viele noch sagen „viva il Kaiser“. Alles sehr nach meinem Geschmack! Ich erfreue mich noch ein wenig an Dieter, der aller Weingläser austrinkt – gestern hat er mir noch meine Schnäpse (einer Sonntag, einer Mittwoch) vorgezählt. Aber ich bin ja auch nicht zufrieden, wenn ich keinen Feind habe.
Das Hotel in Tramin ist leider das Gegenteil vom gestrigen: Hier ist in den frühen 70er Jahren die Zeit stehen geblieben. Der schmierige Wirt ist auch noch so richtig schön unsympathisch, auch das Abendessen (gebundenes Wasser als Fenchelsuppe deklariert, zwei Scheiben Räucherlachs an einer halben Schnitte Toastbrot, Kalbsbraten mit Kartoffelpüree und Erbsen und Möhren aus der Dose sowie ein ordentlicher Pflaumenkuchen) erreicht allenfalls besseres Jugendherbergsniveau. Bei der Weinprobe hat unser Fahrradschloss den Geist aufgegeben und musste aufgekniffen werden. Als Kristin beim Essen verkündet, da drin sei „so ein Mechanismus, der beim Sturz des Schlosses auf den Boden kaputt gegangen sei“, beschließe ich, ihr den Kontakt mit meiner Mutter bis auf weiteres zu untersagen.
Um 21.30 Uhr sind wieder alle im Bett, nur Kristin und ich trinken noch ein Südtiroler Bier (Forst, sehr ordentlich) und beschließen, dass eine Gruppenreise für uns doch nicht das Wahre sei. Leider sind einige unserer Mitreisenden extrem profilierungssüchtig und sch… zu jedem Thema dickere Haufen. Dafür ist unser Humor mittlerweile nicht mehr gesellschaftsfähig. Egal, Spaß macht die Tour trotzdem.
Matze: Bärnd
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