Von Pappenheim zurück nach Irgertsheim (09.08.2003)
Gegen viertel nach sechs ist es sehr laut, weil der Schlachter unten im Haus Ware liefert. Gegen acht ist wieder Lärm auf der Straße, naja, wir müssen sowieso aufstehen. War wieder nichts mit ausschlafen. Wir frühstücken als letzte im Hotel. Leiden die alle an seniler Bettflucht?
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Wir radeln los, nach wenigen Metern schaue ich auf meinen Tacho und stelle fest, dass er nicht mehr aufzeichnet. Mist. Hat irgendwer zu viel damit herumgespielt? Ich stelle ihn wieder an. Bei Lutz heute abend werden wir es am Rechner überprüfen.
Wir fahren von Pappenheim in Richtung Dollnstein. Wir stellen fest, dass sich hinter uns ziemlich dunkle Wolken breit machen. Oje. Wir werden immer schneller, die Wolken kommen näher, es fängt an zu donnern. In Dollnstein erreichen wir am Altmühlufer einen Biergarten. Wir haben gerade die Räder abgestellt, als die ersten Tropfen fallen. Es gewittert so vor sich hin. Leider haben wir vor einer Stunde erst gefrühstückt, und die Küche öffnet auch erst wieder um halb zwölf, so dass wir wohl die beworbenen frischen Weißwürste nicht verkosten werden. Hinter dem Gewitter wird es etwas heller, wir schöpfen Hoffnung. Haha, da haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Die Wolken kommen jetzt aus einer etwas anderen Richtung, und von dort droht neues Ungemach: Es fängt wieder an zu regnen, aber diesmal so, dass wir unter der großen Markise sogar noch nass werden. So einen Regen habe ich selten erlebt! Wir gehen ins Restaurant und bestellen jetzt doch die Weißwürste. Sie kommen erst nach zwölf Uhr, welch ein Frevel!
Gegen halb eins können wir endlich weiterfahren. Schon direkt in Dollnstein merke ich, dass ich zu wenig Luft habe. Mist, nicht schon wieder! Bei der Elberadtour letztes Jahr hatte ich auch am zweiten Tag einen Platten. Same procedure as last year, Ms. Sophie? Wir pumpen mehrfach, beschließen aber, noch nicht zu flicken.
Wir verlassen das Altmühltal und fahren in das Urdonautal, da wir ja irgendwie wieder nach Irgertsheim kommen wollen, um abends mit Sabine und Michael, die extra aus Nördlingen kommen, zu grillen. Nach nochmaligem Pumpen beschließen wir, meinen Schlauch zu wechseln, da er immer wieder Luft verliert. Beim Kontrollieren merke ich, dass das Ventil locker ist. Sollte es das etwa schon gewesen sein? Wir wechseln den Schlauch also doch nicht und fahren weiter.
Der Mount Stepperg, der von Lutz schon ausgiebig beschrieben wurde, nähert sich hinter Rennertshofen in Stepperg. Gerne würden wir in Stepperg noch im Biergarten ein Päuschen einlegen, aber der Biergarten öffnet erst wieder um 15 Uhr. So müssen wir den Mount Stepperg wohl oder übel ohne Erfrischung erklimmen. Schon im Ort steigt die Straße stetig an, hinter einer Kurve steht der Mount Stepperg dann mächtig vor uns. Gewaltige 50 Höhenmeter sind zu bewältigen.
Der Weg geht senkrecht zur Steigung den Hang hoch, er scheint kein Ende zu nehmen. Ich gehe mal wieder etwas zu schnell an, trotz kleinster Übersetzung muss ich zweimal absteigen, um Luft zu holen. Oben steht eine Gruppe Radler, fehlt nur noch, dass sie mich anfeuern. Peinlich. Aber: Ich musste nicht schieben, sondern bin radelnd oben angekommen!
Hinter dem Waldstück geht es den Steppberg auch wieder bergab, das erste Stück noch gemäßigt, in der Abzweigung stehen zwei Radler. Deppen! Es geht rechts ab, durch ein Maisfeld kann man nicht sehen, dass es dort noch steiler wird und noch ein schiebender Radler entgegenkommt. Ich lasse das Rad rollen und komme schon auf 52 km/h, Lutz schiebt sich tretend und jubelnd an mir vorbei. Auf Abfahrtshälfte ist eine leichte Linkskurve, ich habe ein bisschen Angst, die Angst zu bremsen ist aber größer. Wow, Abfahrt ist klasse, schade nur, dass man vor jeder Abfahrt auch immer den Berg rauf muss!
Wir nähern uns jetzt unaufhaltsam der Donau. In Neuburg fahren wir kurz auf den Deich, Lutz gibt mir den Rat, die Schuhe aus den Klicks zu lösen. Am Ende des Deichs weiß ich, warum: Eine Treppe taucht plötzlich vor uns auf. Wer ist denn auf diese Idee gekommen? Dahinter geht es auf einem schmalen Weg direkt an der Donau entlang durch den Wald, schön kühl. Nach etwa zwei Kilometern geht es auf der geschotterten Deichkrone weiter. Es fährt sich bescheiden, der Schotter ist locker, durch die Lenkertasche ist der Schwerpunkt sehr weit oben, so dass bei mir immer wieder das Vorderrad wegrutscht, ätzend! Ich beschließe, vom Deich herunter und auf dem Weg hinter dem Deich weiter zu fahren, doch nach ein paar Kilometern wird der Weg dort auch schlecht, sehr große Steine machen den Weg zur Qual. Ich kann nicht mehr. Tjark fährt weiter oben auf dem Deich, der mittlerweile nur noch aus Rasen besteht, ich fahre wieder rauf. Es geht tatsächlich etwas besser. Trotzdem bin ich ziemlich platt. Ich sehe zwar schon die Staustufe in Bergheim, aber mein Körper ist ausgelaugt. Dennoch komme ich dann tatsächlich dort an, und auch die zwei Kilometer nach Irgertsheim schaffe ich noch.
Eine Dusche wirkt Wunder! Nach dem Duschen machen Tjark und ich uns auf den Weg ins Einkaufszentrum, um noch für das Grillen Zutaten für einen Nudelsalat, leichtes Weizen und zwei Hinterreifen zu kaufen. Fahrrad Willner hat schon geschlossen, also tun es auch die Prophete-Reifen aus dem Baumarkt. Sind sowieso billiger. Während sich Tjark um den Nudelsalat kümmert, ziehen Thomas, Lutz und ich die Reifen auf. Geht ja ziemlich schnell. Kurz bevor wir fertig sind, kommen Huchti und Sabine mit Johannes.
Wir grillen und genießen den schönen Abend auf dem Balkon. Nach dem Essen überprüfe ich an Lutz‘ Laptop, ob sich die Daten aus dem Fahrradcomputer auslesen lassen. Tatsächlich, die Daten auch von gestern sind noch da! Anscheinend kann er immer nur 23 Stunden, 59 Minuten und 55 Sekunden aufzeichnen, dann steigt er aus. Man kann ihn dann wieder anschalten, er zeichnet dann auch wieder auf. Alle lästern über mich, weil ich mal wieder etwas quasi Überflüssiges besitze, aber Spaß haben sie auch daran.
Lutz holt später mal wieder seinen Bus heraus. Wir erzählen Sabine und Huchti, dass wir geradelt sind und Lutz mit dem Bus gefahren ist 😉 Da Lutz schon während unseres Besuchs im Einkaufszentrums vorgetankt hat und mittlerweile in etwa die dritte Sorte Bier und die zweite Sorte Schnapserl intus hat, schläft er schon auf dem Balkon ein. Ein voller Erfolg 😉 Das Bier ist irgendwann ausgetrunken, vor uns liegt morgen eine schwere Bergetappe, und so gehen wir gegen ein Uhr schlafen.
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Fahrtstrecke:
Pappenheim – Solnhofen – Dollnstein – Konstein – Wellheim – Hütting – Rennertshofen – Stepperg – Bittenbrunn – Joshofen – Bergheim – Irgertsheim
| Datum: | 09.08.2003 | Max. Höhe: | 425 m |
| Startzeit: | 09:55:00 h | Min. Höhe: | 364 m |
| Dauer: | 05:36:40 h | Bergauf: | 361 m |
| Distanz: | 64,92 km | Bergab: | 388 m |
| Netto-Fahrzeit: | 03:22:40 | Max. Tempo: | 46,80 km/h |
| Netto-Durchschnitt: | 19,20 km/h |







